Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

John von Düffel nach Thomas Mann

Altonaer Theater 2021

Regie - Georg Münzel

Bühnenbild - Georg Münzel und Birgit Voß

Kostüme - Benjamin Burgunder

mit

Flavio Kiener, Tobias Dürr, Melina Sanchez, Anne Schieber, Ole Schloßhauer, Nadja Wünsche,

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Presse

Regisseur Georg Münzel, der zusammen mit Birgit Voß auch für das Bühnenbild verantwortlich ist, hat Thomas Manns unvollendeten Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" als groteskes Puppenspiel inszeniert. Thomas Manns Intention dürfte er dabei getroffen haben ...

Doch es gibt auch ehrliche Gefühle in dieser Welt der Täuschung und des Scheins. Dann dürfen die handelnden Personen ihre schwabbeligen Fatsuits ablegen und wie Krull normale Kleidung tragen. Dazu gehört eine einfühlsame Szene zwischen Krull und Lord Kilmarnock .... In dieser Szene schimmern die Einsamkeit und die Verzweiflung Manns durch, der sein Leben lang seine Homosexualität unterdrücken musste. ...

Am Ende der zweistündigen Inszenierung schnappt sich Krull die Krone des Kaisers und erklärt sich selbst zum Kaiser. Aber auch das ist nur eine Behauptung. Das Spiel endet auf der Bühne im Chaos, wenn die anderen Figuren aus den Kulissen erneut die verschiedenen Rahmen hervorholen. Krull steht an der Rampe und macht noch einmal klar, was die Zuschauer gerade gesehen haben: ein Spiel von Komödianten in einder Welt, die getäuscht werden will und die auf Lügen von rhetorisch versierten Heilsbringern hereinfällt. Politischer Populismus lässt grüßen.

Georg Münzel und seinem sechsköpfigen Ensemble ist ein ausgesprochen kurzweiliger Abend gelungen. Den Schauspielern ist der Spaß bei dieser Farce mit den schnellen Kostümwechseln und der überspitzten Sprache anzumerken.

Hamburger Abendblatt

Da tanzen die Puppen - bizarr und begeisternd

Sie haben Riesenbrüste, breite Hüften, ausladende Hinterteile oder dicke Bäuche - den Figuren, die am Altonaer Theater das Publikum zu begeisterten Applaus hinreißen, steht der moralische und kulturelle Verfall ihrer Zeit auf den monströsen Leib geschrieben.

In seiner anspruchsvollen Inszenierung des Thomas-Mann-Klassikers ... hat Regisseur Georg Münzel der dekadenten Gesellschaft den entsprechenden Rahmen verpasst: eine Szenerie, die anmutet, als sei sie ein Gemälde des Malers George Grosz. Was natürlich Blendwerk ist.

Mit nur fünf Darstellerinnen und Darstellern, die in Fettanzügen eine Reihe grell überzeichneter Figuren spielen, lässt Georg Münzel in seiner bizarren Gesellschaftsfarce die Puppen tanzen. Neben der glänzenden Ensembleleistung ein weiterer Pluspunkt: die Bühnenfassung von John von Düffel. Sie macht das 1954 unvollendet erschienene Meisterwerk des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann zu einem sprachlich-ironischen Hochgenuss. Toll übertriebenes, witziges Theater.

Hamburger Morgenpostt